75 Jahre Riesengebirgs-Trachtengruppe
Festrede unseres Vorstandes Uli Moll
Liebe Festgäste,
liebe Freunde der Riesengebirgs-Trachtengruppe,
liebe Mitglieder – von den Jüngsten bis zu denen, die unseren Verein seit vielen Jahren prägen und heute der harte Kern sind.
Ja, hier steh ich nun. Vorstand, haben sie gesagt, „Du hältst die Festrede!!“ … haben sie gesagt …
Klar, mach ich, hab ich gesagt … und hatte auch gleich ein paar richtig gute Gedanken, die ich hier zum Vortrag bringen wollte. Ich halte ja nicht die Festrede zum Starkbieranstich auf dem Nockherberg und Fernsehübertragungsteams sind auch keine da, nur die Jubiläumsfeier der RTG – aber für mich eine Herzensangelegenheit.
Und jetzt kommt gleich das unvermeidliche AAABER, das nicht fehlen darf:
Ich hatte in der Vorbereitung zu dem Festakt ein ganz tolles Team, und da wurden für die Moderation sehr ansprechende und tiefgründige Texte vorgeschlagen und ausgearbeitet. Und schon waren die meisten meiner Ideen für meine Rede dahin, weil eigentlich das Wichtigste, was über die Riesengebirgs-Trachtengruppe und ihre Mitglieder zu sagen wäre, schon gesagt ist oder im weiteren Verlauf noch viel mehr gesagt werden wird.
Nun, ich versuch’s doch mit meinen Worten.
Heute sind wir hier zusammengekommen und feiern 75 Jahre Riesengebirgs-Trachtengruppe.
Die Zeit ist ein Fluss, und wenn man diese Zahl 75 hört, dann muss man das erst mal wirken lassen. Man weiß, dass in dieser Zeit viel Wasser den Fluss hinuntergeflossen ist. So viele Tage, Wochen, Jahre – angefüllt mit den Ereignissen und Erlebnissen, die die Gruppe geprägt haben. Alles ist im Fluss.
Man denkt sofort und unvermeidlich an die Geschichte und an die Geschichten – an all das, was war.
Vor 75 Jahren haben Paul und Pauline Enge mit einer Schar der Heimatvertriebenen, die sich nach der Vertreibung in der neuen Heimatstadt München häufig zusammengefunden haben, mit Ehrgeiz diese Gruppe zum Erhalt des schlesischen Brauchtums gegründet.
Ja, vor 75 Jahren – das bedeutet: Der Verein war schon da, als viele von uns noch gar nicht auf der Welt waren – ich auch nicht. Doch bei so einer Feier wie heute – ich wiederhole mich – da denkt man natürlich viel an das, was war. Alles ist im Fluss, und die Vergangenheit kehrt nicht wieder.
Und nun schaue ich heute hier in den Saal – da sehe ich vor mir vor allem eines: Gegenwart.
So viele Mitglieder.
So viele befreundete Gruppen.
So viele, die mit uns feiern wollen.
Die Gegenwart.
Was haben wir hinter uns?
75 Jahre Gemeinschaft.
75 Jahre gelebte Tradition.
75 Jahre voller Begegnungen, Erinnerungen und Engagement.
Aber unser Verein ist kein Museum. Er lebt. Er lebt durch EUCH.
Und da sehen wir in der Gegenwart den nächsten Abschnitt – die Zukunft.
Zukunft durch
– Kinder, die mit großen Augen und Begeisterung beim Tanz die ersten Schritte lernen.
– Zukunft durch die Jugendlichen, die ihren Platz zwischen Tradition und eigenem Weg finden.
– und auch Zukunft durch alle, die seit Jahren – manche seit Jahrzehnten – mit Herzblut dabei sind und zukünftig weiter dabei bleiben.
Tradition ist wichtig, bedeutet für uns aber nicht, stehen zu bleiben.
Tradition bedeutet, etwas weiterzugeben – und gleichzeitig weiterzuentwickeln.
Und genau darin liegt unsere Stärke:
Wir wissen, woher wir kommen, und sind gleichzeitig offen für das, was kommt.
Unsere Gemeinschaft ist etwas Besonderes – nicht nur durch das, was wir zeigen: Tracht, Tanz, Brauchtum –, sondern durch das, was man nicht sofort sieht:
Zusammenhalt.
Verlässlichkeit.
Und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Ja, manchmal hat man als Vorstand trotzdem das Gefühl, alles alleine zu machen. Aber dann schaue ich genauer hin und weiß: Das stimmt so nicht.
Unser Verein wird auf vielen Schultern getragen – auf sichtbaren und auf unsichtbaren, die man oft gar nicht wahrnimmt.
Andererseits muss ich auch ganz bewusst sagen:
Es würde im Verein nicht funktionieren, wenn jeder nur das tut, worauf er gerade Lust hat.
Es funktioniert nur, wenn – wie bei uns – eine verantwortungsvolle Gemeinschaft gelebt wird.
Mitglieder kümmern sich, wie zum Beispiel in der Trachtenverwaltung und Trachtenpflege oder bei der Vorbereitung und Planung von Veranstaltungen und Proben. Sie investieren Zeit und sind auch im Hintergrund aktiv – und genau das ist es, was unsere RTG letztendlich stark macht.
Wenn wir heute feiern, dann nicht nur aus Stolz auf das Vergangene, sondern aus Zuversicht, dass es – aus den eben genannten Gründen – so weitergeht.
Denn solange es Menschen gibt, die sich mit Freude treffen, miteinander tanzen, lachen und vieles gemeinsam unternehmen, solange wird die Riesengebirgs-Trachtengruppe lebendig bleiben.
Ich glaube, ich habe genug über unsere RTG gesprochen – und nun komme ich am Schluss zu dem, was mir wirklich wichtig ist zu sagen:
DANKE
Danke von ganzem Herzen an euch alle, liebe RTGler.
Danke an alle, die den Verein über Jahrzehnte vorangebracht haben.
Danke an diejenigen, die bereit sind, die Gruppe auch von außen zu unterstützen.
Danke an die, die heute Verantwortung übernehmen und mitmachen.
Aber auch danke an die Familien, die das alles mittragen, auch wenn die Aktivitäten der RTG oft sehr viel Raum einnehmen.
Und nun wirklich zum Schluss, aber trotzdem hier noch einmal wiederholt:
Ich bin stolz auf das, was 75 Jahre gelebt wurde.
Ich bin stolz, bei euch an der Vereinsspitze zu stehen,
und schaue zuversichtlich auf das, was kommt.
Ich freue mich, diesen Weg gemeinsam mit euch weiterzugehen.
Auf die nächsten Jahre – und auf viele weitere schöne gemeinsame Momente.
Für heute wünsche ich uns allen einen schönen Festakt und einen unterhaltsamen Abend.
Riesengebirgs-Trachtengruppe – Glück auf!
Schlesien – Glück auf!